Die Regionalliga-Reform zur Saison 2026/27 ist beschlossene Sache. Wie kam es dazu? Was genau wird geändert? Gibt es Vor- und Nachteile? Ein Blick nach vorne.
Während die höchste österreichische Spielklasse seit Ende des Zweiten Weltkriegs von teils rigorosen Reformen geprägt war, blieb die Regionalliga seit der Spielzeit 1960/61 in ihren Grundzügen bis heute gleich. Bis zur Einführung der Bundesliga in der Saison 1974/75 bildeten die Regionalligen die zweite Spielklasse. Heute sind die österreichischen Regionalligen die dritthöchste Leistungsstufe und gliedern sich in eine Ost- (Wien, Niederösterreich, Burgenland), Mitte- (Steiermark, Oberösterreich, Kärnten) und Westgruppe (Tirol, Vorarlberg, Salzburg).
Seit Längerem wurde nun eine Reform der Regionalliga diskutiert und insbesondere seitens des ÖFB und dessen Ex-Präsident Klaus Mitterdorfer angestrebt. Zahlreiche Modelle lagen auf dem Tisch – unter anderem eine eingliedrige dritte Liga wie etwa in Dänemark oder der Schweiz sowie ein Grunddurchgang in den Bundesländern mit einem überregionalen Play-off, gewissermaßen als Aufwertung der viertklassigen Landesligen. Doch diese kolportierten Varianten erschienen nicht zweckgemäß, da sie entweder Österreichs länglicher geografischer Lage oder einem zu verzehrten Wettbewerb zum Opfer gefallen wären. Außerdem stand eine Zweiteilung im Raum. Doch: „Wenn man sich die Geografie ansieht, würde eine Zweiteilung in der Regionalliga wegen der Westausdehnung nicht gehen“, so Günter Kreissel, der gemeinsam mit Peter Schöttel die ÖFB-interne Arbeitsgruppe leitete. Eine Zweiteilung wäre möglicherweise auch aufgrund der Bevölkerungsverteilung in Österreich nicht sinnvoll gewesen: Allein in der Region Ost leben vier Millionen Menschen, die übrigen fünf in den restlichen Bundesländern. Fakt ist: Die größten Fußballnationen Europas verfügen in den höchsten vier Spielklassen bei Weitem nicht über so viele Mannschaften wie Österreich mit drei Regional- und neun Landesligen. Hierzulande sind es ganze 215 (!) Klubs. Zum Vergleich: Dänemark kommt auf 48, die Schweiz auf 88, England auf 92, Belgien auf 110 und Deutschland auf 146. So viele Klubs bedeuten, „dass die Niveauunterschiede in den einzelnen Ligen größer sind und die Qualität dadurch insgesamt geringer“ ist.
Vordergründig wollte man den Vereinen mit der intensiv angestrebten Reform etwaige Reisekilometer und die damit einhergehenden Kosten ersparen. Zudem sollte der Aufstieg in die zweite Liga klarer geregelt werden (in den letzten Jahren war es überhaupt die Ausnahme, dass alle drei Meister die Zulassung für Liga zwei bekamen) und eine ausgewogenere regionale Struktur geschaffen werden. Seitdem die Idee publik wurde, sahen sich die Verantwortlichen kritischen Stimmen ausgesetzt. Es galt, zahlreiche Fragen zu klären – „von der sportlichen Durchlässigkeit zwischen Amateur- und Profibereich über Nachwuchsförderung bis hin zu wirtschaftlicher Tragfähigkeit und föderalen Interessen.“
Auch als das offizielle Reformmodell schließlich auf dem Tisch lag, verstummten die Zweifler nicht – ganz im Gegenteil. Die Reformeifrigen sahen sich diversen Vorwürfen ausgesetzt: „Eine einzige Themenverfehlung“, „Das Produkt 3. Liga ist unattraktiv“, „Viele Probleme im Amateurfußball“, „Vereine sind unzufrieden“, „Muss man das jetzt mit aller Gewalt machen?“, „Es will ja niemand in die Regionalliga“, „Die Spieler wechseln jedes Jahr, der ÖFB hat das nicht unter Kontrolle“. Darüber hinaus war immer wieder von einem gewissen „Schnellschuss“ die Rede. Prompt wurde auch die zweite Liga infrage gestellt: „Dort kämpfen viele Vereine ums Überleben, es kommen zu den meisten Spielen nur ein paar hundert Zuschauer.“
Die ganze Thematik hört sich nach einem großen Durcheinander von leeren Vorhaben und großer Kritik an. Doch wie soll dieses neue Modell nun aussehen? Die Regionalliga-Reform wird mit Saison 2026/27 in Kraft treten – das ist seit dem 28. März 2025 beschlossene Sache. Künftig wird es anstatt der bisherigen drei Regionalligen ganze vier geben, worin die teilnehmenden Vereine neu aufgeteilt werden. Die Regionalliga Ost setzt sich weiterhin aus dem Dreiergespann Wien, Niederösterreich und dem Burgenland zusammen. Die Regionalliga West beherbergt nun Mannschaften aus den Bundesländern Tirol und Vorarlberg. In der neuen „Regionalliga Nord“ werden fortan die Vereine aus Oberösterreich und Salzburg zusammengefasst, während es in der „Regionalliga Süd“, bestehend aus der Steiermark und Kärnten, größere Änderungen geben wird – zumindest bereits offizielle, da man sich in der West- bzw. Nord-Gruppe noch nicht zum Spielmodus geäußert hat. Für die Klubs des StFV und des KFV fallen Fahrten in das andere Bundesland im Herbst künftig weg: „Für Kärnten und die Steiermark haben wir vereinbart, dass wir unsere Regionalliga so spielen, dass wir im Herbst eine Regionalliga Süd-Kärnten und eine Regionalliga Süd-Steiermark mit je acht Vereinen haben“, so Martin Mutz, Kärntens Verbandspräsident. Im Herbst gibt es also eine interne Hin- und Rückrunde, die sich auf 14 Spiele beläuft. Im Frühjahr greifen die Ligen ineinander: Die vier besten Teams aus Kärnten sowie der Steiermark spielen im oberen Play-off um den Meister, während die Plätze fünf bis acht um den Abstieg in die viertklassige Landesliga kämpfen. Kurios: Im unteren Play-off werden die Punkte mitgenommen und halbiert – so wie in der Bundesliga –, im oberen nicht. Dieser Umstand stieß vielen sauer auf. Die beiden Letztplatzierten des jeweiligen Bundeslands müssen – ungeachtet ihrer Platzierung – in der nächsten Saison einen Stock tiefer an den Start. Im oberen Play-off hingegen darf sich der Meister – sofern ihm die Lizenz erteilt wurde – in einem der beiden zuvor ausgelosten Relegationsspiele gegen den Meister einer anderen Regionalliga um den Aufstieg in Liga zwei duellieren. Die Paarungen werden jährlich neu festgelegt. Thomas Nußgruber, Direktor des steirischen Fußballverbandes: „Wir wollen die Regionalligen für die Vereine so attraktiv wie möglich machen (…) Aktuell haben die Vereine hohe Fahrtkosten. Mit der Reform gibt es im Herbst kein Spiel außerhalb des eigenen Bundeslandes und im Frühjahr sind es dann nur noch vier (…) Im Herbst mag das Niveau etwas unterhalb der gegenwärtigen Lösung sein, aber wenn du in der Finalphase nur gegen die Besten spielst, ist das Niveau höher.“
Besonders in Sachen Kosten und Organisation will man den Vereinen mit diesem Schritt unter die Arme greifen: „Die Fahrten in der neuen Struktur dauern maximal drei Stunden, egal ob im Osten, Westen, Norden oder Süden. Bislang waren es bis zu fünf Stunden und mehr. Mehr Regionalität bedeutet auch mehr lokale Duelle, sprich Derbys, und somit mehr Einnahmen. Am meisten erhofft man sich aber sportliche Effekte.“ Bei all diesen möglichen positiven Auswirkungen auf Attraktivität, Kostensenkung und Regionalität gab es vor allem aus dem Westen – Tirol und Salzburg stimmten als Einzige gegen die Reform – große Bedenken. Fakt ist: Da Länder wie Tirol und Oberösterreich, wo es verhältnismäßig viele Vereine gibt, mit Vorarlberg bzw. Salzburg, die über deutlich weniger Vereine verfügen, zusammengeführt werden, kann es in einigen Jahren zu einem deutlichen Ungleichgewicht in den verschiedenen Regionalligen kommen. In der Gruppe Süd ist es nicht anders: Die Steiermark hat gegenüber Kärnten einen klaren Vorteil. Bischofshofen-Präsident Patrick Reiter bringt es auf den Punkt: „Salzburg trägt zum Bruttoinlandsprodukt 7,7 Prozent bei, Oberösterreich 17,3 – das ist das 2,3-Fache. Mit der ganzen Industrie in Oberösterreich haben die das doppelte bis dreifache Budget und das werden sie ausspielen. Dann gibt’s am Ende eine Regionalliga Oberösterreich.“ Dem versucht man wie folgt entgegenzuhalten: „Die Attraktivität für gute Spieler soll höher werden. Heute ist es so, dass insbesondere ein guter Spieler oft lieber Landes- als Regionalliga spielt, weil man sonst jedes zweite Wochenende sehr weit fahren muss. Diese Schwelle für jene, die sich schon ein zweites Standbein aufbauen wollen, fällt weg (…) Ein unter anderem Abgänger der Rieder Akademie kann nun nach Gurten gehen, studieren oder arbeiten, und muss dann nur nach Salzburg und nicht bis nach Kärnten fahren.“
Es wird sich also weisen, ob die Reform tatsächlich etwas bringt. Bis sich darauf jedoch eine Antwort geben lässt, werden noch einige Spielzeiten verstreichen. Zuvor gilt es allerdings noch zahlreiche Unklarheiten und zentrale Fragen zu klären: „Was will man an der Spitze erreichen? Welche Dinge will man in der Breite erreichen? Welche Rahmenbedingungen braucht es hinsichtlich des Übergangs vom Amateur- zum Profibereich? Was benötigt der Nachwuchs? Wie gestaltet sich die Wirtschaftlichkeit, ist das attraktiv – und wie erreichen wir mehr Ausgewogenheit?“ Es bleibt also zu hoffen, dass sich die künftig viergliedrige Regionalliga sowohl sportlich als auch organisatorisch langfristig lohnt – und nicht wieder einer Rigorosität der Bundesliga-Reform von 1974 gleicht, die sinnbildlich für die österreichische Reformbegabung steht. „Dass sich die Verbands-Obrigkeiten durchgerungen haben, im Sinne der kleineren Vereine zu handeln, ist lobenswert und eine Chance, die für viele unattraktiv gewordene dritte Liga einer Schönheitskur zu unterziehen.“
Foto: © GEPA
