Als Sturm Graz schon mit einer Hand am Meisterteller war

sturmrapid1981

Die Meisterschaftsentscheidung erst am allerletzten Spieltag: für österreichische Fußballfans eine Rarität. Stellvertretend für dieses Ereignis steht die turbulente Saison 1980/81. Als Sturm Graz nur mehr Rapid schlagen musste, um das Grazer Double perfekt zu machen.

Vor dem Start in die 80er hatte sich das Bild im österreichischen Fußball gewendet: Austria Wien durchbrach die Tiroler Dominanz, holte angeführt von Herbert Prohaska drei Meistertitel in Serie und trumpfte zudem im Europacup groß auf. Der SK Rapid spielte unterdessen im Schatten der Veilchen dahin. Zwar gelangen in den 70ern zwei Cupsiege, doch die letzte Meisterschaft lag vor der Saison 1980/81 satte zwölf Jahre zurück. Gespannt konnte man also sein, wer sich am Ende der Saison durchsetzen würde. Zumal die Austria erstmals ohne „Schneckerl“, der im Sommer 1980 zu Inter Mailand wechselte, auskommen musste und Rapid mit der legendären Krankl-Rückholaktion Ernst machte. Favoriten gab es keinen, die Kader beider Wiener Großklubs, denen die besten Chancen auf den Titel eingeräumt wurden, waren hochkarätig besetzt. Einem Bundesländerteam traute man den Titel in dieser Saison nicht zu, da sie in den vorigen Jahren zu unkonstant Leistungen ablieferten.

Grazer Dominanz

So staunte die österreichische Fußballgemeinde nicht schlecht, als mit Sturm Graz nach dem Herbst ein Team an der Tabellenspitze stand, das in der Vorsaison dem Abstieg gerade noch mit einem blauen Auge entwischt war. Neo-Coach Otto Barić bewirkte einmal mehr Wunder. Die Schwarz-Weißen waren damals eine eingespielte Mannschaft, die im Sommer um wertvolle Akteure wie den kroatischen Goalgetter Božo Bakota ergänzt wurde. Bisher hatte jener Generation schlicht der entscheidende Impuls gefehlt.

Doch auch am anderen Murufer befand man sich auf Kurs: Der GAK rangierte nach 18 Runden punktgleich mit der Austria auf Rang drei, stand zuvor am häufigsten an der Tabellenspitze. Unter dem tschechischen Trainer Václav Halama wuchs bei den Rot-Weißen eine Mannschaft zusammen, die bald den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern sollte.

Rapid stand nach einem verhältnismäßig katastrophalen Herbst nur an siebter Stelle. Die Krankl-Rückkehr im Frühjahr sollte Wunder bewirken, die grün-weiße Renaissance angestoßen werden.

Nach der Winterpause konnte der GAK, dessen Hauptaugenmerk nun auf dem Cup lag, nicht an den starken Herbst anschließen. Womit der Weg für den Zweikampf zwischen Sturm und Austria eröffnet war. Praktisch wöchentlich wechselte die Tabellenführung von Graz nach Wien, dann wieder zurück in die Murstadt. Wo der GAK unterdessen einen Hochkaräter nach dem anderen aus dem Pokal warf. Angefangen bei der Wiener Austria ging es über Rapid und SSW Innsbruck zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte ins Endspiel – erstmals mit dem besseren Ende für die Rotjacken. Nach Verlängerung zwang man Austria Salzburg in die Knie und holte den ersten Profititel in die Steiermark.

Doch der umjubelte Pokalsieg könnte prompt in den Hintergrund rücken. Denn Stadtrivale Sturm stand nach Runde 33, bedingt durch einen Austria-Patzer beim LASK, wieder auf der Poleposition, hatte den großen Traum nun drei Spieltage vor Schluss in der eigenen Hand. Zuvor waren die „Schwoazn“ beim Wiener Verfolger sang- und klanglos mit 2:5 ins offene Messer gelaufen.

Nervenstärke ist gefragt

Am 5. Juni sahen 30.000 Zuseher ein torloses Wiener Derby – und damit höchstwahrscheinlich die Meisterschaftsentscheidung. Denn Sturm hatte den Wiener Sportclub parallel mit 7:0 abgefertigt, der überragende Gernot Jurtin erzielte dabei gleich fünf Treffer, womit er sich später zum Torschützenkönig kürte. Die Grazer hatten zwei Spiele vor Ende also zwei Zähler Vorsprung, mit LASK und Rapid im Gegensatz zum Verfolger (Absteiger Eisenstadt, GAK) jedoch ein denkbar schweres Restprogramm. Nervenstärke war nun gefragt. Die Veilchen waren in dieser Ausgangslage wesentlich routinierter und hatten Sturm gegenüber weniger zu verlieren. Denn wann würden die Schwarz-Weißen je wieder solch eine Chance bekommen?

Am vorletzten Spieltag meisterten die Violetten ihre Pflichtaufgabe und gewannen mit 3:0 bei Schlusslicht Eisenstadt, während der Däne Kurt Stendal Sturm mit seinem Doppelpack zum 2:2-Remis beim LASK rettete. Und so kam es, wie es kommen musste: Eine Entscheidung in der letzten Runde, dem spannenden Saisonverlauf entsprechend mehr als würdig.

Das Finale

Die Konstellation für die 36. Runde hätte pikanter nicht sein können: Sturm rangierte mit 45:25 Punkten weiterhin an der Tabellenspitze und empfing Rapid zum Showdown. Die Elf von Erich Hof mit 44:26 Zählern dicht dahinter, musste vor eigener Kulisse gegen den GAK ran – eine reine Graz-Wien-Angelegenheit. Die Schwarz-Weißen hatten es immer noch in der eigenen Hand, mussten „nur“ daheim gegen die Hütteldorfer gewinnen. Die Bilanz sprach jedoch für die Hauptstädter, die im Frühjahr nur zwei Partien verloren hatten, dennoch keinen berauschenden Fußball spielten: In drei Saisonduellen siegte Grün-Weiß zweimal, Sturm einmal. Der direkte Vergleich im Parallelspiel: ein Austria-Sieg, zwei Remis. Rapid könnte den Erzrivalen also tatsächlich zum Meistertitel schießen, der GAK seinen ewigen Stadtrivalen am ersten Meistertitel hindern. Dieser 20. Juni 1981 sollte jedem in Erinnerung bleiben – auf unterschiedliche Weise.

Über 20.000 Zuseher wurden in Graz-Liebenau Zeugen einer von Beginn an nervösen und unsicheren Sturm-Elf, die gegen die Hütteldorfer, für die es immerhin noch um einen UEFA-Cup-Platz ging, kein Mittel fand. Zur Halbzeit stand es 1:0 für die Gäste, Christian Keglevits sorgte in Minute 38 für die Führung. Zu diesem Zeitpunkt war die Austria Meister. Denn die Wiener hatten mit den lustlosen GAKlern keine große Hürde: Nach 45 Minuten stand es 5:1. Man spürte, dass die Halama-Elf dem Stadtrivalen keinen Gefallen tun wollte. GAK-Tormannlegende Savo Ekmečić verdeutlichte das förmlich mit einem „Freudentanz“, als er über Lautsprecher vom Zwischenergebnis in Graz zugunsten der Grün-Weißen erfuhr. Im zweiten Abschnitt zeigte sich auf beiden Schauplätzen ein ähnliches Bild: Die Austria dominierte weiterhin und setzte den Deckel zum 6:1-Endstand drauf, die Elf von „Schani“ Skocik gewann gegen die nun in der Abwehr lückenhaften Schwarz-Weißen mit 4:1. Damit war es offiziell: Austria Wien sicherte sich den vierten Meistertitel in Serie.

Der Ärger auf Seiten des SK Sturm war verständlicherweise unermesslich. Der Ärger auf die Wiener und insbesondere auf den GAK und seinen Schlussmann Ekmečić. Der seinen skurrilen Jubel wie folgt erklärte: „Ich bin damals nicht gegen Sturm, sondern für den GAK gewesen. Wenn Sturm Meister geworden wäre, dann wäre unser Titel nichts wert gewesen. Denn ein Meister zählt einfach mehr als ein Cupsieger. Aus diesem Grund bin ich glücklich gewesen.“ Die Rivalität zwischen Schwarz und Rot schaukelte sich in der Folge hoch. Sturm schnitt in den nächsten Jahren bei weitem nicht mehr so gut ab, sollte bekanntlich erst in der Ära Kartnig wieder ein Wörtchen um den Meistertitel mitreden. Dieser Junitag im Jahr 1981 wird vor allem den Grazern auf ewig in Erinnerung bleiben: Der GAK verhinderte Sturms Meistertitel, Rapid schoss die Austria zur Meisterschaft.

Der Ärger auf Seiten des SK Sturm war verständlicherweise unermesslich. Der Ärger auf die Wiener und insbesondere auf den GAK und seinen Schlussmann Ekmečić. Der seinen skurrilen Jubel wie folgt erklärte: „Ich bin damals nicht gegen Sturm, sondern für den GAK gewesen. Wenn Sturm Meister geworden wäre, dann wäre unser Titel nichts wert gewesen. Denn ein Meister zählt einfach mehr als ein Cupsieger. Aus diesem Grund bin ich glücklich gewesen.“ Die Rivalität zwischen Schwarz und Rot schaukelte sich in der Folge hoch. Sturm schnitt in den nächsten Jahren bei weitem nicht mehr so gut ab, sollte bekanntlich erst in der Ära Kartnig wieder ein Wörtchen um den Meistertitel mitreden. Dieser Junitag im Jahr 1981 wird vor allem den Grazern auf ewig in Erinnerung bleiben: Der GAK verhinderte Sturms Meistertitel, Rapid schoss die Austria zur Meisterschaft.

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Der GAK ging bei der Wiener Austria sang- und klanglos unter. Bild: oepb

Bild: © Sammlung Sturm Graz/Fischer