Am Samstag steigt das nächste Grazer Derby – Scheiberlspiel.at wirft einen Blick in die bewegte Geschichte dieser Rivalität. Nach den glanzvollen Zeiten Ende der Neunziger- und Anfang der Nullerjahre, als Graz als „Fußball-Hauptstadt Österreichs“ gepriesen wurde, landeten beide Erzrivalen im Herbst 2006 bzw. Frühjahr 2007 wieder auf dem harten Boden der Realität. Der 17. Mai 2007 ging als dunkelster Tag in die Grazer Derby-Annalen ein: Es sollte für ungewisse Zeit das letzte Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten werden.
Um die Brisanz dieses letzten Grazer Bundesliga-Derbys für die nächsten 17 (!) Jahre zu ermessen, muss rund eineinhalb Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit gesprungen werden – genauer gesagt ins Jahr 1992, als ein gewisser Hannes Kartnig das Präsidentenamt des SK Sturm von Charly Temmel, dem „Eiskönig“, übernahm. Der 1951 geborene gelernte Goldschmied ermöglichte den Schwarz-Weißen in den folgenden Jahren einen beispiellosen Höhenflug. Graz – und vor allem Sturm, dessen Schuldenlast sich bei Kartnigs Einstieg auf umgerechnet 1,2 Millionen Euro belief – konnte ein Aufschwung nicht schaden. Denn abgesehen von einigen Pokalendspielen, einem Cupsieg, den der GAK 1981 verbuchte, und dem Vizemeistertitel der Schwarz-Weißen im selben Jahr hinkte die Stadt im Fußball hinterher. Oberösterreich triumphierte mit zwei Vereinen, Wacker bescherte Tirol zahlreiche Titel, Salzburg sollte mit der Austria Mitte der 90er schwer in Mode kommen und Wien war ohnehin unangefochtener Rekordtitelträger – nur Graz fehlte.
Doch das änderte sich mit Kartnig rasch. Bald hatte er eine Startruppe, bestehend aus Eigenbauspielern, gepaart mit hochkarätigen Legionären, beisammen, der von Coach Ivan „Ivica“ Osim kontinuierlich ein technisch versierter Tempofußball – für Österreich hochmodern – antrainiert wurde. Unter Osim und Kartnig schwebten die Anhänger der „Blackies“ auf Wolke sieben. 1996 sowie 1997 gelang der Cupsieg, 1998 die langersehnte Meisterschaft, und 1999 folgte mit dem heißbegehrten Double die vorzeitige Krönung einer Ära. In der Saison 2000/01 gelang den „Schwoazn“ zudem der Sprung in die zweite Gruppenphase der Champions League – und damit unter die 16 besten Vereinsmannschaften Europas.
Doch dieser glanzvolle Zeitabschnitt hatte einen sehr hohen Preis. Im Jahr 2002 verließ Startrainer Ivica Osim den Verein, zudem machte es ihm der spielerisch wertvollste Legionär, Ivica „Ivo“ Vastić, gleich. Präsident Kartnig gestand in dieser Zeit erstmals öffentlich ein, was die meisten ohnehin schon längst befürchtet hatten: Der äußerst kostspielige Kader war so nicht mehr finanzierbar. Zuvor hatte er noch die ghanaische Sturmhoffnung Charles Amoah für eine österreichische Rekordsumme von vier Millionen Euro verpflichtet. Nach dem Abgang von Osim, dem sukzessiven Verlust der Führungsspieler und den fehlenden Millionen aus der Königsklasse spitzte sich die finanzielle Lage gehörig zu.
Während die „Schwoazn“ auch schon vor der Kartnig-Ära auf europäischer Ebene für die eine oder andere Sensation sorgten, dauerte es beim GAK bis Mitte der 90er, ehe der Verein überhaupt eine Europacup-Partie gewinnen konnte. Nach dem langersehnten Wiederaufstieg der Roten im Jahr 1995 mussten die Anhänger neidlos anerkennen: Diese bevorstehenden Jahre gehörten dem Stadtrivalen. 1996 sorgte der GAK im UEFA-Cup für einen Achtungserfolg, indem er Inter Mailand bis ins Elfmeterschießen drängte. Von 1998 bis 2005 war der Verein durchgehend im internationalen Geschäft vertreten, doch an den meisten ging dieser große Aufschwung zunächst vorbei, da der SK Sturm mit seiner Startruppe schlicht größere Schlagzeilen machte.
Als sich die glanzvollen Tage der Schwarz-Weißen Anfang der Nullerjahre dem Ende zuneigten, hatten die Anhänger der „Rotjacken“ gleich doppelt Grund zur Freude: Einerseits konnten die konstant soliden Platzierungen des Klubs nun endlich jene Aufmerksamkeit erhalten, die sie sich schon lange verdient hatten, andererseits übernahm ein gewisser Rudolf „Rudi“ Roth im Jahr 2001 das Präsidentenamt von Peter Svetits. Roth war den roten Kreisen keinesfalls fremd – ganz im Gegenteil: In den 70ern hütete er das GAK-Tor und distanzierte sich auch anschließend als erfolgreicher Unternehmer nie von seinem Herzensverein. Der Neo-Präsident investierte bald große Summen in einen immer teurer werdenden Kader und engagierte den aufblühenden Coach Walter Schachner – die Fans konnten also langsam auch von einem echten Höhenflug träumen.
Nach Ende seiner Amtszeit im Sommer 2005 konnte sich die Titelausbeute jedenfalls sehen lassen: Ein Meistertitel (2004) und zwei Cupsiege (2002, 2004) standen zu Buche. Darüber hinaus wurde man 2003 und 2005 Vizemeister. Doch eines fehlte im Unterschied zum Stadtrivalen: der Einzug in den Hauptbewerb der Champions League. Von 2002 bis 2004 scheiterten die „Rotjacken“ dreimal in Folge in der letzten Qualifikationsrunde. Gegen Lok Moskau hatte man keine Chance, Ajax Amsterdam kam erst nach „Silver Goal“ weiter, und im Duell mit Liverpool änderte der phänomenale 1:0-Auswärtssieg in Anfield – es war übrigens der erste Sieg einer österreichischen Mannschaft auf der Insel überhaupt – auch nichts am Ausscheiden – „ein Erfolg für die Geschichts-, aber eben nicht für die Bilanzbücher“, hieß es. Die entgangenen Millionen aus der äußerst lukrativen Königsklasse bekam der Verein in den nächsten Jahren mehr als deutlich zu spüren. Die finanzielle Situation wurde auch bei den Roten immer prekärer.
| GAK | Sturm | |
|---|---|---|
| Gründungsjahr | 1902 | 1909 |
| Gesamtmarktwert | 8,7 Mio. € | 60,63 Mio. € |
| Trainer (im Amt seit) | Ferdinand Feldhofer (März 2025) | Jürgen Säumel (November 2024) |
| Teuerster Spieler | Tio Cipot (1 Mio. €) | William Bøving (8 Mio. €) |
| Kadergröße | 25 | 28 |
| Altersschnitt | 25,8 | 23,5 |
| Nationalteamspieler | 1 | 6 |
| Legionäre | 11 | 20 |
| In Liga seit | 2 Jahren | 60 Jahren |
| Rekord-Zugang | Igor Pamic (750 Tsd. €) | Mika Biereth (9 Mio. €) |
| Rekord-Abgang | Mario Bazina (1,5 Mio. €) | Rasmus Højlund (21 Mio. €) |
| Rekordtorschütze | Roland Kollmann (131) | Mario Haas (179) |
| Rekordspieler | Walter Koleznik (482) | Mario Haas (550) |
| Meistertitel | 1 | 5 |
| Cupsiege | 4 | 7 |
| Teilnahmen an europäischen Gruppenphasen | 1 | 9 |
| Europacup-Teilnahmen (Hauptbewerb) | 14 | 19 |
| Derbysiege in höchster Spielklasse (seit 51/52) | 44 | 44 |
| Derbysiege in Cup (seit 51/52) | 2 | 5 |
Vor seinem Abtritt schloss Rudi Roth mit dem internationalen Sportvermarkter IMG einen Zehnjahresvertrag ab – insgesamt sollten 50 Millionen Euro an den Verein fließen. Bei der Amtsübergabe an Harald Sükar im Sommer 2005 war die Rede vom „reichsten Verein Österreichs“. Zumindest hieß es das, denn am laufenden Band tauchten neue finanzielle Probleme auf, und IMG stieg am Ende sogar vorzeitig aus dem Vertrag aus – „ein nach Meinung vieler Insider entscheidender Grund für das nachfolgende Fiasko“. Auch bei den Schwarz-Weißen wurde es unterdessen nicht ruhiger. Die Fans spekulierten bereits mit dem kompletten Aus des Vereins. Gegen Noch-Präsident Kartnig wurde heftig protestiert – unter anderem deshalb, weil er die alte Gruabn im April 2005 für 1,4 Millionen Euro an die Stadt Graz verkaufte, um der finanziell angespannten Lage etwas entgegenzuwirken. Nach einem langen Zerren erhielten beide Grazer Vereine doch noch die Lizenz für die Bundesliga-Saison 2005/06.
Auch in dieser Spielzeit wurde es um das liebe Geld kein bisschen ruhiger. Sukzessive gab der GAK seine besten Kicker ab – darunter auch Mario Bazina um kolportierte 1,5 Millionen Euro an Rapid. Erfolgstrainer Walter Schachner verließ den Verein und wurde durch den Dänen Lars Søndergaard ersetzt. Auch auf dem Trainerstuhl des Erzrivalen herrschte reger Betrieb. Am 6. Mai 2006 stand das letzte Saison-Derby an – und es könnte das letzte für lange Zeit gewesen sein, denn die Liga wollte anscheinend beweisen, dass sie aus den vorangegangenen Insolvenzen gelernt hatte, und verweigerte beiden Grazer Vereinen in erster Instanz die Spielgenehmigung für die Bundesliga-Saison 2006/07. Die Begegnung ging als „Duell der Lizenzlosen“ in die heimischen Fußball-Annalen ein. Nach einem sehr langen Hin und Her ging die Sache ein weiteres Mal gut aus, und beide Klubs erhielten die Lizenz für die kommende Spielzeit. Sturm erhielt diese nur, weil die steirische Landesregierung eine Haftungserklärung übernahm, musste aber mit drei Minuspunkten starten. Dem GAK hingegen wurde auferlegt, jeden Monat eine sogenannte „Liquiditätsplanung“ vorzulegen, um nachzuweisen, dass das Geld auch noch für die nächsten vier Wochen reicht. Für beide Vereine war die Saison 2006/07 die mit Abstand turbulenteste der letzten Jahrzehnte.
Am 2. November 2006 ging eine 14-jährige Ära zu Ende: Sturm-Präsident Hannes Kartnig trat ab – große Teile der Anhängerschaft atmeten auf. „Eine Ära, in der Sturm für einige Jahre Aufnahme im Olymp des europäischen Fußballs gefunden hatte und anschließend wieder retour in die harte Realität der Bundesliga musste, ist damit endgültig zu Ende.“ Anschließend verschwand der ehemalige Präsident in Untersuchungshaft und wurde mehrmals von der Grazer Staatsanwaltschaft vorgeladen, da sich bei den Ausgaben aus der Vereinskasse Ungereimtheiten aufwiesen. Schließlich gestand Kartnig, Steuern hinterzogen zu haben – die Rede war von einer Summe von knapp neun Millionen Euro. „So hatten sich Sturm-Spieler über anonyme Sparbücher zusätzlich Beträge von der Bank abgeholt, bar auf die Hand. Das System war so clever wie dreist.“ Eines steht fest: „Hannes Kartnig hat dem österreichischen Fußball viel gegeben, aber mindestens so viel genommen.“
Sturm stellte zu dieser Zeit selbst einen Konkursantrag mit gleichzeitigem Antrag auf Zwangsausgleich beim Grazer Landesgericht für Zivilrechtssachen. Zum Masseverwalter wurde Norbert Scherbaum bestellt, der in den kommenden Jahren auch die Insolvenzen des Stadtrivalen bearbeiten sollte. Unterdessen hatte Neo-Chef Hans Fedl eine Investorenrunde versammelt, die bereit war, den Verein zu sanieren. Im Dezember 2006 fand die Prüfungstagsatzung in der Causa Sturm-Zwangsausgleich statt. Forderungen in der Höhe von zwölf Millionen Euro wurden angemeldet, der Masseverwalter erkannte fünf Millionen an. Im Jänner 2007 nahmen die 140 Gläubiger schließlich den Zwangsausgleich mit einer 20-Prozent-Quote an. Dieser wurde von der Styria Medien AG, der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und der Grazer Wechselseitigen Versicherung bezahlt. In weiterer Folge zog die Bundesliga dem Verein aufgrund des Konkursverfahrens zehn Punkte ab (also insgesamt 13), aber die Schwarz-Weißen überlebten die unglaublich turbulente Saison 2006/07 und standen mit Trainer Franco Foda sowie einer jungen, vielversprechenden Truppe langsam wieder auf gesunden Beinen.
Nachdem der Stadtrivale nach den turbulenten Herbst- und Frühjahrsmonaten vor einem Happy End stand, zeichnete sich auch beim verfeindeten Gegenüber ab, dass man nicht um diesen Schritt herumkommen würde. Und genauso kam es: Im März 2007 wanderte auch der GAK vor Gericht und stellte den Konkursantrag über 15 Millionen Euro. Doch dann schaltete sich die Bundesliga höchstpersönlich ein und zog den „Rotjacken“ sechs Zähler wegen ausstehender Zahlungen an den ehemaligen Spieler Daniel Kimoni ab. Doch das sollte erst der Anfang sein. Wenige Wochen später wurden den Athletikern als Folge der Insolvenz sowie der „damit zusammenhängenden Nichterfüllung von Kriterien“ weitere zehn und zudem zwölf Punkte wegen Verstößen gegen Verpflichtungen aus dem Lizenzierungsverfahren abgezogen. Mit insgesamt 28 (!) abgezogenen Zählern rangierten die Roten abgeschlagen am Tabellenende. „Zumindest ein Verein aus Graz hatte damit geschafft, was sich beide so fest vorgenommen hatten. Er spielte in einer eigenen Liga, auf dem letzten Platz mit einem Punkteabstand von minus eins.“ Zwar wurde der Zwangsausgleich des GAK „mit viel Wirbel und einem Riesenberg an Forderungen“ angenommen – die Bundesliga-Lizenz blieb jedoch in weiter Ferne –, doch es stand nichts Geringeres als die Zukunft des österreichischen Fußballs auf dem Spiel. Die Athletiker zogen vor ein ordentliches Gericht und ließen sich die abgezogenen Punkte wieder zuerkennen, auch die der FIFA, sprich die aufgrund der ausstehenden Zahlungen an Daniel Kimoni. Der Weltverband schaltete sich daraufhin ein und drohte, Österreich von allen europäischen Bewerben auszuschließen – und wenn es sein musste, dann auch von der anstehenden Europameisterschaft im eigenen Land. Letztlich akzeptierte der GAK das Strafmaß. „Wieder einmal hatte sich erwiesen, dass auch die besten Vorsätze nichts nützen, wenn sich keiner daran halten mag. Nur wenige Wochen später beschlossen deshalb die Klubpräsidenten ‚eines der schärfsten Lizenzierungsverfahren, das es in Europa gibt‘, und verkündeten: ‚Wir werden keinen Fall wie den GAK mehr haben.‘ Künftig werde jeder Verein, der in den Konkurs geht, automatisch in die nächsttiefere Spielklasse versetzt.“
Am 17. Mai 2007, in der vorletzten Meisterschaftsrunde, war es also so weit – Rot und Schwarz kreuzten ein letztes Mal für ungewisse Zeit die Klingen in der Bundesliga. Dem GAK war zuvor die Lizenz verweigert worden, aber zumindest stand zu diesem Zeitpunkt fest, dass der Verein mit kommender Spielzeit in der zweithöchsten Leistungsstufe an den Start gehen konnte. Vor dem Match hieß es: „Die Finanzlage ist ungewiss bis prekär, zahlreiche Spieler sind auf Vereinssuche, Trainer Søndergaard hat seinen Abgang nach Innsbruck bereits für das Ende der Saison fixiert.“ Im Vorfeld appellierten die Zeitungen und Polizeibeamten an die Zuseher, „das für absehbare Zeit letzte Derby friedlich über die Bühne gehen zu lassen“. Auf dem Platz duellierten sich zwei sehr junge Mannschaften – bis auf einige Vereinslegenden war von dem spielerischen Glanz alter Tage nicht mehr viel übrig. Bei den „Schwoazn“ standen unter anderem Mario Haas, Sebastian Prödl und Jürgen Säumel, der heutige Sturm-Coach, auf dem Feld. Die späteren GAK-Legenden Herbert Rauter und Gerald Säumel, zudem der jetzige Blau-Weiß-Coach Mitja Mörec, saßen auf der Ersatzbank von Franco Foda. Auf der Gegenseite waren nur noch drei frühere Nationalteamspieler mit von der Partie: Martin Amerhauser, Andreas Schranz und Roland Kollmann – den Rest bildeten Nachwuchskicker wie Marco Perchtold. Für die einzig nennenswerte Aktion und das Goldtor der Partie sorgte Mario Haas in Minute 37, als er den Ball mit dem Spitz ins Tor beförderte. Die mehr als 15.000 Besucher waren ein klares Indiz für die bevorstehende Sehnsucht der Fans nach dem Grazer-Derby-Alltag. In einem zeitgenössischen Zeitungsartikel kommentierte man das wie folgt: „Das tagelange Kribbeln vor dem Derby, die nur schwer zu ertragende Anspannung unmittelbar vor dem Match, das Zittern und Bangen während der 90 Minuten plus Nachspielzeit, das gegenseitige ‚Pflanzen‘, all das ist aus der Lebenswelt der Grazer Fußballfans verschwunden. Auch wenn das Verhältnis zwischen dem SK Sturm und dem GAK meistens einer Hassliebe glich, so wäre ein tatsächliches Ende der Derbygeschichte vor allem auch ein herber Verlust einer bewegenden und bewegten Tradition.“
Für die Roten sollte es noch schlimmer kommen, und auch der letzte Funke Hoffnung blieb den Anhängern verwehrt: Die Bundesliga schickte den Verein erstmals in seiner Geschichte in die Drittklassigkeit – und dort sollte es nicht ruhiger werden. Das kleine Grazer Derby zwischen Sturms Zweitvertretung und dem GAK stieg im Herbst 2007 und wurde sensationell von 5.500 Personen besucht, was einen neuen Zuschauerrekord für Liga drei darstellte – ein weiteres Zeichen für die Derby-Sehnsucht. Die allermeisten ehemaligen Kicker prognostizierten das nächste erstklassige Aufeinandertreffen der beiden Erzrivalen in die Zeitspanne von 2010 bis 2012. Sturm-Rekordspieler und Rekordtorschütze Mario Haas meinte: „Ich hoffe, dass der GAK so schnell wie möglich raufkommt, damit es wieder eine Derbystimmung gibt in Graz.“ – Nachsatz: „Und wir sie dann besiegen.“ GAK-Tormannikone Savo Ekmečić: „Ich bin kein Politiker und kein Finanzexperte, aber ich sag dir eines: Wenn es kein großes Grazer Derby in der Bundesliga mehr gibt, dann lebt der Grazer Fußball nicht mehr lange.“
Der Rest ist Geschichte: Sturm wurde 2010 sowie 2018 Pokalsieger und 2011 überraschend Meister, der GAK wagte einen Neustart in der achten Spielklasse, raste förmlich durch das Unterhaus und spielt seit 2024 wieder in der höchsten österreichischen Spielklasse. Zum Abschluss eine kurze, aber kaum treffendere Zusammenfassung dieser tristen Epoche in den Grazer Derby-Chroniken: „Die Geschichte vom Konkursmassenphänomen in der Steiermark ist die einer Rivalität zweier Vereine, die sich in einem absurden Wettstreit gegenseitig in den Untergang trieben, so wie zwei ungleiche Brüder, die in einem erbitterten Duell jahrelang um dieselbe Frau buhlen – und am Ende kriegt sie keiner.“
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